Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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HALLE LECTURES

Die Erforschung des 18. Jahrhun­derts spielt in Halle eine heraus­gehobene Rolle, an den Forschungs­zentren der Universität ebenso wie in den Franckeschen Stiftungen. Betrieben wird diese Forschung in dem Bewusstsein, an den Grund­lagen der modernen Gesellschaft zu arbeiten und mit der Historie immer auch ein Stück unserer Ge­genwart kritisch zu befragen und damit 'aufzuklären'. In jüngster Zeit ist die Maßgeblich­keit der Aufklärung sowohl in wis­senschaftlichen als auch in gesell­schaftlichen Debatten in die Kritik geraten. Wieviel Selbstüberschät­zung steckt im Anspruch der Auf­klärer? Ist Aufklärung nicht – wie die christlich­-pietistische Mission – trotz der von ihr beanspruchten Universalität ein partikulares Pro­jekt, das die Vorherrschaft Europas mehr gestärkt als in Frage gestellt hat? Wieviel taugen die kritischen Verfahren, die anthropologischen Leitbilder und die politischen Ideale des 18. Jahrhunderts noch in einer Zeit, in der sich partikulare und nationalistische Tendenzen rapide auszubreiten scheinen? Um solchen Fragen nachzugehen, haben die in Halle ansässigen For­schungseinrichtungen, die zentral mit dem 18. Jahrhundert befasst sind, eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Jährlich zwei heraus­ragende, international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden gebeten, ihre Sicht auf die Erforschung des 18. Jahr­hunderts und deren Bedeutung im Kontext der aktuellen Weltlage darzu­legen. Historische Fundierung und gegenwartsbezogene Problematisie­rung sollen dabei verbunden werden, ebenso lokale, nationale, europäische und globale Perspektivpunkte. Die Vorträge richten sich sowohl an Forscher und Studierende als auch an die weitere Öffentlichkeit.

Die HALLE LECTURES sind eine Kooperation von

Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung (IZP)

Franckesche Stiftungen zu Halle   

Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA)

Alexander von Humboldt­ Professur für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer und

Landesforschungsschwerpunkt »Aufklärung — Religion — Wissen«


HALLE LECTURES 2020
Der Ausdruck der Dinge. Eine Vortragsreihe

26. November 2020, 18.00 Uhr

Prof. Dr. Georg W. Bertram (Berlin):
Dinge im Konflikt. Für eine Hermeneutik der Improvisation

Die geistige Situation gegenwärtiger Gesellschaften ist, gängigen Theorien zufolge, durch umfassende Ästhetisierungen, durch Digitalisierung und durch Postkolonialität geprägt. Dies suggeriert, dass Individuen und Dinge von umfassenden diskursiven Zu­sammenhängen durchdrungen sind, von denen sie bestimmt werden. Heißt das, dass wir Dinge und ihren eigenständigen Ausdruck verloren haben? In dem Vortrag geht es mir darum, zu überlegen, wie sich gegen einen solchen drohenden Verlust anden­ken lässt. In diesem Sinn plädiere ich dafür, unsere Praxis als von Improvisation und Konflikt geprägt zu begreifen. In einer so verstandenen Praxis gewinnt der Ausdruck der Dinge ein Eigenrecht. Gefordert ist eine Hermeneutik, die nachvollzieht, wie wir uns in unseren Praktiken an den Dingen entwickeln.

28. Mai 2020 (Vortrag verschoben)

Prof. Dr. Jakob Vogel (Berlin, Paris)
Aufklärung postkolonial? Globale Wissensgeschichte und die Herausforderung des Exotismus

Seit einigen Jahren mehren sich die Aufrufe, die Geschichte der Aufklärung einer postkolonialen Kritik zu unterwerfen. Im Rahmen kolonialer Machtstruk­turen sei nicht­europäisches Wissen ausgebeutet, exotisiert und angeeignet worden, während gleich­zeitig „westliches“ Wissen als vermeintlich univer­selles Wissen verbreitet wurde. In diesem Sinne fragt der Vortrag nach der Rolle von Exotismus und Universalismus in der Geschichte der Aufklärung. Der Blick auf „koloniale Zwischenräume“ und „euro­päische Peripherien“ verdeutlicht, wie vielfältig die Wissensordnungen des 18. Jahrhunderts waren. Die Geschichte der „Salzspindeln“ sowie von anderen Instrumenten und Objekten des Wissens zeigt aber auch, wie wenig die Wissenschaft der Aufklärung ihren eigenen Ansprüchen gerecht wurde.

Flyer Vortragsreihe 2020
HALLE_LECTURES_2020.pdf (242 KB)  vom 17.11.2020


HALLE LECTURES 2019
Vom Nutzen und Nachteil der Polemik. Eine Vortragsreihe

26. November 2019

Prof. Dr. Bertrand Binoche (Paris)
Beantwortung der Frage: Was sind die ›Lumières‹ (und nicht die ›Aufklärung‹)?

2. Mai 2019

Prof. Dr. Hartmut Rosa (Jena)
Was stimmt nicht mit der Demokratie? Ein neues Konzept des Gemeinwohls

Flyer Vortragsreihe 2019
HALLE_LECTURES_2019.pdf (755,6 KB)  vom 17.11.2020


HALLE LECTURES 2018
Globales Denken in der Diskussion. Eine Vortragsreihe

28. November 2018

Prof. Dr. Rebekka Habermas (Göttingen)
Aufgeklärte Wunderkammern und moderne Wissenswelten: Eine Geschichte globaler Dinge und was sie uns lehrt

Den Mitschnitt des Vortrages finden sie hier

25. Juni 2018

Prof. Dr. Dipesh Chakrabarty (Chicago)
The Difficulty of Being Modern: Thoughts on Global and Planetary Histories

Den Mitschnitt des Vortrages finden sie hier

Flyer Vortragsreihe 2018
HALLE_LECTURES_2018.pdf (231,1 KB)  vom 17.11.2020


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